Frühe Sprachförderung in Kindertagesstätten

Ein Projekt zur frühen Identifikation & frühen Förderung von sprachauffälligen Risikokindern in Kleinkindeinrichtungen

in Kooperation mit dem Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin, Klinik für Neuropädiatrie, Sozialpädiatrisches Zentrum, Universitätsklinikum Heidelberg
in Zusammenarbeit mit Kleinkindeinrichtungen in Heidelberg & Stuttgart

Hintergrund

Es ist faszinierend, in welch kurzer Zeit junge Kinder das komplizierte System der Sprache nahezu „nebenbei“ erwerben. Doch nicht allen Kindern gelingt der Spracherwerb so erfolgreich. Einerseits sind etwa 15% der deutschsprachig aufwachsenden zweijährigen Kinder in ihrem Spracherwerb deutlich hinter ihren Altersgenossen zurück. Diese Kinder tragen ein hohes Risiko für längerfristige Schwierigkeiten im Spracherwerb und bedürfen oftmals einer langjährigen sprachtherapeutischen Behandlung. Andererseits weisen zahlreiche Kinder mit Migrationshintergrund eingeschränkte Deutschkenntnisse auf und haben die Schullaufbahn betreffend, langfristig eine ungünstige Perspektive.

Wissenschaftliche Studien zeigen im Hinblick auf die Konsequenzen von Sprachstörungen und geringen Deutschkenntnissen aufgrund von Mehrsprachigkeit immer wieder, dass ein frühes Ansetzen der Sprachförderung in den ersten Lebensjahren für den weiteren Entwicklungsverlauf maßgeblich ist. Durch die stetige Zunahme der außerfamiliären Betreuung kommt dabei neben der sprachlichen Unterstützung durch die Eltern, der gezielten Sprachanregung durch die Erzieher/innen eine immer höhere Bedeutung zu. Um eine optimale Förderung von Risikokindern in Kleinkindeinrichtungen zu garantieren, erscheint es notwendig die sprachliche Förderung der Kinder in Kinderkrippen zu fokussieren. Im deutschsprachigen Raum konzentrieren sich gezielte Sprachförderprogramme bisher jedoch vor allem auf Vorschulkinder. Mit der geplanten Studie sollen Risikokinder frühzeitig erkannt werden, um die sensible Phase des Spracherwerbs in den ersten Lebensjahren gezielt zur Sprachförderung zu nutzen. Mit dem vorliegenden Heidelberger Trainingsprogramm soll dabei eine optimale sprachliche Förderung der Kleinkinder in Kindertageseinrichtungen gewährleistet werden.

Ziel dieser Studie ist es,
  • den Anteil der ein- und mehrsprachigen Kleinkinder zu erfassen, die im Alter von 16 bis 30 Monaten noch sehr wenig sprechen.
  • frühzeitig eine effektive sprachliche Förderung dieser Kinder durch eine spezifische Fortbildung der Erzieher/innen zu gewährleisten. Hierzu wird die Wirksamkeit des „Heidelberger Trainingsprogramms zur frühen Sprachförderung in Kitas“ gegenüber einer traditionellen Fortbildung der Erzieherinnen überprüft.

Ablauf der Studie

1. Erfassung des Sprachentwicklungsstandes der Kinder
Im Rahmen der Studie nehmen ausschließlich Kinder im Alter von 16 bis 30 Lebensmonaten teil. Zunächst findet ein Screening der Kinder anhand des ELAN-Elternfragebogens statt. Familien, deren Kinder zu diesem Zeitpunkt noch sehr wenig sprechen, wird anschließend eine ausführliche Sprachuntersuchung angeboten. Nach Abschluss dieser Untersuchung findet für Kinder, die Schwierigkeiten im Spracherwerb aufweisen eine spezifische Sprachförderung durch die Erzieher/innen in der Kindertagesstätte statt. Die Erzieher/innen werden für die Durchführung dieser alltagsintegrierten Sprachförderung spezielle fortgebildet.
Auf der folgenden Übersicht ersehen Sie den Ablauf der Studie sowie die vorgesehenen Untersuchungsmethoden.

Ablauf Methoden
Screening
  • Elternfragebogen Elan
Voruntersuchung
  • Sprachentwicklungsdiagnostik
  • Beantwortung von Fragebögen
  • Videoaufnahme einer Bilderbuchsituation in der Kita
Sprachförderung in der
Kindertagesstätte
  • Durchführung der Sprachförderung in der Kindertagesstätte durch die jeweiligen Erzieher/innen auf der Basis zweier Fortbildungskonzepte

    • Teilnahme der Erzieher/innen an der Fortbildung: "Heidelberger Trainingsprogramm zur frühen Sprachförderung in Kitas"
    • Teilnahme der Erzieher/innen an der Fortbildung: Frühe Sprachentwicklung und frühe Sprachförderung in Kindertagesstätten
Nachuntersuchung
  • Sprachentwicklungsdiagnostik
  • Beantwortung von Fragebögen
  • Videoaufnahme einer Bilderbuchsituation in der Kita

Alle Untersuchungssituationen sind kindgerecht und spielerisch strukturiert und bereiten den Kindern in der Regel sehr viel Spaß. Bei der Beurteilung der sprachlichen Fähigkeiten des Kindes werden anhand von anschaulichem Bildmaterial das Sprachverständnis sowie die aktiv gesprochene Sprache untersucht.

2. Fortbildung der Erzieherinnen nach zwei unterschiedlichen Konzepten

A) „Heidelberger Trainingsprogramm zur frühen Sprachförderung in Kitas“
Das Trainingsprogramm wird insgesamt an fünf Nachmittagen in einer Kleingruppe von 10 Erzieher/innen durchgeführt.
Das Heidelberger Trainingsprogramm ist in hohem Maße praxisorientiert. Die Erzieher/innen sind dabei sehr aktiv eingebunden. Videoillustrationen, gemeinsame Erarbeitung wesentlicher Themen sowie das Ausprobieren gezielter sprachförderlicher Strategien in Kleingruppen und im Kita-Alltag nehmen einen zentralen Stellenwert ein. Zu den Inhalten jeder Sitzung erhalten die Teilnehmer/innen umfangreiches und sehr anschaulich dargestelltes Begleitmaterial.
Beim „Heidelberger Trainingsprogramm zur frühen Sprachförderung in Kitas es sich nicht um ein starres Programm, das in vorgegebenen Einheiten neben dem Kita-Alltag durchzuführen ist. Vielmehr soll an den Kompetenzen und intuitiven Strategien der Erzieher/innen angeknüpft werden und die sprachliche Interaktion in alltäglichen Kita-Situationen intensiviert und verbessert werden.

Auf der folgenden Übersicht ersehen Sie die Inhalte des Trainingsprogramms.

Zeitpunkt Inhalte
Sitzung 1
  • Normale und verzögerte Sprachentwicklung
  • Mehrsprachigkeit
  • Sprachförderliche Grundhaltung im Kita-Alltag
Sitzung 2
  • Gezielte Sprachlehrstrategien beim Buch anschauen
  • Das richtige Buch
Sitzung 3
  • Fragen zur Sprachanregung
  • Sprachhemmende Verhaltensweise
Sitzung 4
  • Video-Supervision
  • Sprachförderung beim gemeinsamen Spiel
  • Bewegungslieder & Bewegungsspiele in der Kita
Nachschulung
  • Die verbesserte Wiederholung
  • Das dialogische Lesen von Bilderbüchern

 


Das Trainingsprogramm basiert auf dem wissenschaftlich evaluierten „Heidelberger Elterntraining zur frühen Sprachförderung“, dessen Wirksamkeit in einer umfangreichen Evaluationsstudie nachgewiesen werden konnte.

B) Fortbildung: Frühe Sprachentwicklung und frühe Sprachförderung in Kindertagesstätten

Die Schwerpunkte der Fortbildung liegen in folgenden Bereichen:
  • Voraussetzungen für den Spracherwerb
  • Ablauf der normalen versus verzögerten sprachlichen Entwicklung
  • Mehrsprachigkeit
  • Erkennen von Auffälligkeiten im Spracherwerb
  • Möglichkeiten zur frühen Sprachförderung

Die Fortbildung ist praxisorientiert und bindet die Teilnehmer/innen aktiv ein. Neben Präsentationen, stehen Videoillustrationen und gemeinsames Erarbeiten im Vordergrund.

Ergebnisse

Die Rückmeldungen der teilnehmenden Erzieherinnen am „Heidelberger Trainingsprogramm zur frühen Sprachförderung in Kitas“ sind durchweg positiv. Die Erzieherinnen fühlen sich sicherer im sprachlichen Umgang mit sprachauffälligen Risikokindern. Sie fühlen sich in der Lage ihr Sprachangebot sensibler auf die Fähigkeiten der Kinder abzustimmen. 100% der Teilnehmer/innen würden das Training anderen Kolleginnen weiter empfehlen.

Die Studie ist abgeschlossen und die Ergebnisse wurden bereits publiziert. Sie sind unter folgendem Link nachzulesen:
Artikel zum Download

Kontakt

Wenn Sie Fragen oder Anmerkungen zu diesem Projekt haben, können Sie uns gerne persönlich kontaktieren.

Ansprechpartnerinnen:
Dipl.- Päd. Bettina Jooss
Dr. Dipl.- Psych. Anke Buschmann

Weitere Informationen zum „Heidelberger Trainingsprogramm zur frühen Sprachförderung in Kitas“ finden Sie hier.

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